Zum 75. Geburtstag!

Lieber Egbert!

Ein Dreivierteljahrhundert! Herzlichen Glückwunsch! Das Internet schenkt Dir einen eigenen Blog! Ein Internettagebuch! Viel Spaß damit.

Veröffentlicht in: on November 16, 2007 at 10:27 pm  Hinterlasse einen Kommentar  

LEBEN

LEBEN: Durativ zu gt. liban, ahd. leiben im Sinne von ‘beharren, dauern’. Der substantivierte Infinitiv Leben tritt „für in alter Zeit gleichbedeutende LEIB“ ein (EWD), wie auch die überlieferte Formel, „Leib und Leben“ zeigt. (>LEIB)

Die LEBER wird als etym. (u. semantisch) verwandt angesehen. Ausführliche Deutungen im EWD, einerseits „Vrselbständigung eines ursprünglichen Attributs: die Klebrige, Fettige, damit auch verwandt mit LEIM und Sch-LEIM, andrerseits die Annahme, die LEBER sei als „Sitz des Lebens“ gesehen worden: die Vorstellung von der Leber als blutbildendes Organ, als Sitz der Lebenssäfte und Tmperamente, also auch von Ärger und Zorn“. (EWD). Das scheinen Wendungen zu belegen wie „frisch von der Leber (weg) reden“, „sich etwas von der Leber reden“.

 

Ein Zusammenhang mit dem Brot-LAIB läßt sich semantisch ableiten, ist aber etymologisch nicht geklärt. Eine Verbindung mit lat. Libum ‘Kuchen, Fladen’ ist lautlich unsichr, ebenso die mit grichisch klibanos ‘Backofen’.

Trier setzt eine Wurzel *kel-, *klei- an ‘kneten von Lehmbrei, Brotteig’ und sieht einen Zusammenhang mit Leim.

Unumstritten ist die Herleitung von LORD und LADY aus altengl. hlaford und hloefdige ‘Laibwart’ und ‘Laibkneterin’. Die Auswertung diesr Tätigkeiten (sem. Valenz) spiegelt ihre fundamentale Bedeutung im frühgermanischen Haushalt.

Veröffentlicht in: on Oktober 8, 2007 at 9:19 pm  Hinterlasse einen Kommentar  

BLEIBEN

 „Ich möchte am liebsten weg sein und bleibe am liebsten hier“ W. Biermann

Diese innere Widersprüchlichkit zwischen dem Weg-gehen-wollen vor allem im jugendlichen Alter und dem BLEIBEN im trauten Heim bei der/dem Angetrauten wird verdeutlicht durch die Etymologie:

BLEIBEN ist ein präfigiertes älteres Simplex-Verb grm. *liban, von dem das ebenfalls untergegangene Kausativum ahd. LEIBEN ‘hinterlassen, übriglassen, übrigbleiben lassen’ abgeleitet ist.

Die Ausgangsbedeutung ist sehr konkret.

Aind. limpati ‘schmiert, klebt(an), gr. lipos ‘Fett’, lit. lipti ‘kleben(bleiben), klebrig sein’.

Das EWD geht aus von der Wurzl ie. *leip ‘mit Fett beschmieren, kleben’ als einer Erweiterung der Wurzel ie*lei- (>LEIM), „so dass für BLEIBEN ‘klebenbleiben, haften’ auszugehen ist. (‘kleben’ ist angeblich nicht verwandt, stht aber sicher in einem semantischen Zusammenhang, es intensiviert die Bedeutung von ‘bleiben’.)

Veröffentlicht in: on Oktober 8, 2007 at 9:18 pm  Hinterlasse einen Kommentar  

MACHEN

MACHEN 

Ein Allerweltswort. Was MACHT man nicht alles – an-, auf-, ein-, vor-, nach-, ver- usw.? Ein alltägliches Wort wie TUN , nur dessen Gebrauch wollten uns die Eltern und Lehrer ausreden: „Das tut man nicht, das macht man nicht“. „Tieten, taten tuten, so verhöhnten sie uns, wenn wir es trotzdem taten, aber das machte sich auch nicht viel besser.

Eine lange Wortgeschichte. Vorausgeht (im Indogermanischen) griechisch: MAGÉNAI, dem Aorist Passiv von mássein, att. mattein, ‘kneten, zubereiten’, magis ‘geknetete Masse, Kuchen’, ursprünglich als gelehrtes Femdwort aus lat. massa ‘Teig, Klumpen’ übernommen. „Das Wort bezeichnet zunächst den Brotteig, der durch Hefe aufgeht, dann das Metall, das durch Zusatz echten Materials sein Volumen vergrößert.“ (Kluge-Mitzka)Der Zusammenhang mit lateinisch materia scheint naheliegend, zumal die Ableitung von mater und dessen Herleitung aus dem Lallwort ma- nicht überzeugt. Eher besteht etymologische Verwandtschaft mit MODER, MOOR, MOOS und mit s-Anlaut der Wurzel idg. *meu-, mu- SCHMUTZ: MASSIEREN kann als das Kneten einer KörperMASSE angesehen werden.Zu den frühen Bedeutungen von MACHEN gehört ‘zusammenfügen, -bringen. Adjektivbildungen dazu sind ahd gimah ‘passend, geeignet, bequem’, altengl. gimoec, altnord. makr ‘was sich gut fügt, was zusammenpasst’. Nhd gemach und gemächlich, hauptsächlich als Adverb verwendet entickelt auch eine zeitliche Dimension. Was ‘bequem’ und ‘behaglich’ verläuft auch ruhig und langsam und geradezu betulich (>TUN). Das GEMACH ist der wohlgefügte Wohnraum, wo man sich wohl und wohnlich fühlt, weil alles zusammenpasst. Die Übertragung schon im Ahd gimah ‘Vorteil’, ‘Anehmlichkeit’ ging im Nhd wieder verloren, ist nur noch in der Verneinung UNGEMACH erkennbar. Die völlig stressfreie angenehme und bequeme, angepasste Entwicklung vollzieht sich allMÄHLICH, sie steht in völligem Gegensatz zu allen eruptiven, gewalsamen Umbrüchen.Im Kluge-Seebold sind weitere etymologische Verwandte aufgeführt. Beim MACKER und MAKLER ist die Verwandtschaft noch erkennbar. Sie sind in jedem Fall MACHER-Typen und treiben MACHENSCHAFTEN. Die negative Konnotation bei MAKLER wird durch das Attribut ‘ehrlich’ aufgehoben.Unklar erscheint zunächst der Zusammenhang mit MATCH ‘Wettkampf’ wohl ursprünglich zwischen gleichwertigen Gegnern, denn engl. bedeutet es (zunächst) ‘einem andern Ebenbürtiger, zu ihm Passender, Lebensgefährte, Heirat, Gleichgestellter’, dies zu altengl. gemaecca ‘geziemend, passend’, dem nhd GEMACH entspricht. Engl. to match heißt nach dem EWD geradezu wörtlich ‘(zwei zu einander passende Personen) durch die Ehe verbinden, dann übertragen und verallgemeinernd : ‘eine Übereinkunft treffen, zusammentreffen, (in einem Zweikampf kämpfen’. Die Etymologie bringt es an den Tag: den geMÄCHLICHEN Zweikampf im Ehe-GEMACH. Man kann auch an das ebenfalls wurzelverwandte GEMENGE denken, das von griech mattein/massein und idg. *men(a)k ‘kneten. Quetschen’ hergeleitet wird. Es besteht nicht nur ein Zusammenhang im Rahmen des Lehmbaus, sondern auch einer im Bereich der Brotherstellung (russ. muká ‘Mehl’, lit. minkyti ‘Teig’, aslaw maslo ‘Öl’, russ. maslo ‘Butter), schließlich sogar in der metaphorischen Übertragung – die soziale VerMENGung der in etwa Gleichaltrigen in der Ehe und in der kämpferischen Auseinandersetzung.

Veröffentlicht in: on September 24, 2007 at 6:42 pm  Hinterlasse einen Kommentar  

SAUM

SAUM

(Kluge 22) ‘genähter Rand’

(EWD) ‘umgebogener angenähter Stoffrand’

lat. Suere ‘zusammennähen’

mit l-Suffix auch SÄULE ‘Ahle des Schuhmachers, Pfiem’

SÄUMEN ‘mit einem Saum versehen’

SAUM (nur bei Kluge) ‘Last’ arch., bes. In SAUMTIER

entlehnt aus lat/gr sagma ‘Packsattel (bei Walde Saumsattel)

davon (angebl.) abzuleiten SÄUMEN ‘zögern, hinhalten

davon (wirkl.) abgeleitet VERSÄUMEN

                                         SAUMSELIG Neigung zum Säumen

             analog SAUMPFAD ‘schmaler Weg durchs Gebirge, oder entlang der Flüsse (Treidelpfad)

Semantische Annäherung der beiden SAUM-Wörter durch Volksetymologie bzw Quereinfluss

Die SAUM-Pfade, -Straßen, -Wege sind immer auch hergestellte Wege am Rande, Rand-erscheinungen wie auch die SAUM-Schwelle ‘ein horizontaler boltzen, worauf die ständer und rahmen der stockwerke eines hauses ruhen’ (DW)

Saumselig sind auch die Gäste, die ihren Abschied hinauszögern, wenn sie auf der Türschwelle (über Gebühr) stehenbleiben.

Der Limbus (Ort für die ungetauften Kinder) ist der Saum der Unterwelt, nicht Hölle noch Fegefeuer. Man könnte auch vom Rand des Himmels sprechen.

Veröffentlicht in: on September 24, 2007 at 12:19 pm  Hinterlasse einen Kommentar  

Egberts Wörter – Der Start

Liebe Leser!

Hier wird ab sofort  Egbert R. seine Gedanken und Erkenntnisse zur deutschen Sprache veröffentlichen. Kurzweilig bis gedankenschwer, leichtfüßig und auch mal gemächlich – wie es so kommt.  Herzlich Willkommen!

Veröffentlicht in: on September 24, 2007 at 12:15 pm  Hinterlasse einen Kommentar  
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