MACHEN

MACHEN 

Ein Allerweltswort. Was MACHT man nicht alles – an-, auf-, ein-, vor-, nach-, ver- usw.? Ein alltägliches Wort wie TUN , nur dessen Gebrauch wollten uns die Eltern und Lehrer ausreden: „Das tut man nicht, das macht man nicht“. „Tieten, taten tuten, so verhöhnten sie uns, wenn wir es trotzdem taten, aber das machte sich auch nicht viel besser.

Eine lange Wortgeschichte. Vorausgeht (im Indogermanischen) griechisch: MAGÉNAI, dem Aorist Passiv von mássein, att. mattein, ‘kneten, zubereiten’, magis ‘geknetete Masse, Kuchen’, ursprünglich als gelehrtes Femdwort aus lat. massa ‘Teig, Klumpen’ übernommen. „Das Wort bezeichnet zunächst den Brotteig, der durch Hefe aufgeht, dann das Metall, das durch Zusatz echten Materials sein Volumen vergrößert.“ (Kluge-Mitzka)Der Zusammenhang mit lateinisch materia scheint naheliegend, zumal die Ableitung von mater und dessen Herleitung aus dem Lallwort ma- nicht überzeugt. Eher besteht etymologische Verwandtschaft mit MODER, MOOR, MOOS und mit s-Anlaut der Wurzel idg. *meu-, mu- SCHMUTZ: MASSIEREN kann als das Kneten einer KörperMASSE angesehen werden.Zu den frühen Bedeutungen von MACHEN gehört ‘zusammenfügen, -bringen. Adjektivbildungen dazu sind ahd gimah ‘passend, geeignet, bequem’, altengl. gimoec, altnord. makr ‘was sich gut fügt, was zusammenpasst’. Nhd gemach und gemächlich, hauptsächlich als Adverb verwendet entickelt auch eine zeitliche Dimension. Was ‘bequem’ und ‘behaglich’ verläuft auch ruhig und langsam und geradezu betulich (>TUN). Das GEMACH ist der wohlgefügte Wohnraum, wo man sich wohl und wohnlich fühlt, weil alles zusammenpasst. Die Übertragung schon im Ahd gimah ‘Vorteil’, ‘Anehmlichkeit’ ging im Nhd wieder verloren, ist nur noch in der Verneinung UNGEMACH erkennbar. Die völlig stressfreie angenehme und bequeme, angepasste Entwicklung vollzieht sich allMÄHLICH, sie steht in völligem Gegensatz zu allen eruptiven, gewalsamen Umbrüchen.Im Kluge-Seebold sind weitere etymologische Verwandte aufgeführt. Beim MACKER und MAKLER ist die Verwandtschaft noch erkennbar. Sie sind in jedem Fall MACHER-Typen und treiben MACHENSCHAFTEN. Die negative Konnotation bei MAKLER wird durch das Attribut ‘ehrlich’ aufgehoben.Unklar erscheint zunächst der Zusammenhang mit MATCH ‘Wettkampf’ wohl ursprünglich zwischen gleichwertigen Gegnern, denn engl. bedeutet es (zunächst) ‘einem andern Ebenbürtiger, zu ihm Passender, Lebensgefährte, Heirat, Gleichgestellter’, dies zu altengl. gemaecca ‘geziemend, passend’, dem nhd GEMACH entspricht. Engl. to match heißt nach dem EWD geradezu wörtlich ‘(zwei zu einander passende Personen) durch die Ehe verbinden, dann übertragen und verallgemeinernd : ‘eine Übereinkunft treffen, zusammentreffen, (in einem Zweikampf kämpfen’. Die Etymologie bringt es an den Tag: den geMÄCHLICHEN Zweikampf im Ehe-GEMACH. Man kann auch an das ebenfalls wurzelverwandte GEMENGE denken, das von griech mattein/massein und idg. *men(a)k ‘kneten. Quetschen’ hergeleitet wird. Es besteht nicht nur ein Zusammenhang im Rahmen des Lehmbaus, sondern auch einer im Bereich der Brotherstellung (russ. muká ‘Mehl’, lit. minkyti ‘Teig’, aslaw maslo ‘Öl’, russ. maslo ‘Butter), schließlich sogar in der metaphorischen Übertragung – die soziale VerMENGung der in etwa Gleichaltrigen in der Ehe und in der kämpferischen Auseinandersetzung.

Veröffentlicht in: on September 24, 2007 at 6:42 Kommentar schreiben

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